Ehrennadel für einen Bayern

Nach 2 000 Partien: Josef Knoll von der TSG Hainewalde ist jetzt für langjährige Schiedsrichterarbeit vom Sächsischen Fußballverband geehrt worden.

Von Bernhard Donke

Bernd Rudolf, Vorsitzender der TSG Hainewalde (li.), ehrte beim letzten Heimspiel der TSG Josef Knoll zu dessen 70. Geburtstag im Auftrag des Sächsischen Fußballverbandes und des Fußballverbandes Oberlausitz für seine Verdienste um den Fußballsport.

Bernd Rudolf, Vorsitzender der TSG Hainewalde (li.), ehrte beim letzten Heimspiel der TSG Josef Knoll zu dessen 70. Geburtstag im Auftrag des Sächsischen Fußballverbandes und des Fußballverbandes Oberlausitz für seine Verdienste um den Fußballsport. Foto: Quelle unbekannt

Für den Vorsitzenden der TSG Hainewalde, Bernd Rudolph, war es jetzt eine besondere Freude, vor dem Heimspiel seiner Mannschaft im Punktspiel der Kreisliga Staffel 2 gegen den FSV Oppach seinen Sportfreund Josef Knoll anlässlich seines 70. Geburtstags mit der Ehrennadel des Sächsischen Fußballverbandes in Silber auszuzeichnen. Eine Ehrung, die der besonderen Aufmerksamkeit bedarf, denn Josef Knoll – ein gebürtiger Bayer und Wahl-Oberlausitzer – blickte in seiner bisherigen 34-jährigen Schiedsrichterlaufbahn Ende Mai auf seine 2 000. Spielleitung und Assistententätigkeit zurück. Spielleitungen und Tätigkeiten als Assistent, die er sowohl in seiner Heimat Bayern, wie auch seit 2010 hier in seiner Wahlheimat der Oberlausitz absolviert hat – wofür er übrigens auch vom Fußballverband Oberlausitz eine Ehrung empfangen hat.

Geboren am 1. Juni 1948 im niederbayrischen Bogen bei Straubing spielte Josef Knoll von 1966 bis 1984 für den TSV Vestenbergsgreuth aktiv Fußball. Ein Sportunfall zwang ihn, seine aktive Fußballlaufbahn zu beenden. Doch so ganz ohne Fußball ging es bei Josef Knoll nicht. Darum wechselte er die Seiten, legte noch 1984 gemeinsam mit dem dann eine steile Schiedsrichter-Karriere machenden und späteren Bundesliga- und Fifa-Schiedsrichter Wolfgang Stark die Schiedsrichterprüfung ab. Dabei erinnert sich Josef Knoll heute noch an sein erstes Spiel als „Mann in Schwarz“: „Da war ich beim Spiel in der Frankenliga SV Ebern gegen SV Hallstatt als Assistent, oder wie es damals hieß, als Linienrichter eingesetzt“, erzählt er.

Schon vier Jahre später leitete Josef Knoll dann Spiele der Kreisliga. Aus dieser Zeit ist ihm besonders ein Aufstiegsspiel zur Kreisliga zwischen einer türkischen und einer griechischen Mannschaft in Nürnberg in Erinnerung geblieben. „Das Spiel fand auf einem städtischen Platz statt, und das vor 2 000 Zuschauern. Da fühlte sich die Atmosphäre an wie auf einem südländischen Volksfest“, so Knoll. Doch es gab nicht nur solche schönen Erlebnisse, sondern auch Situationen, wo er fast ans Aufhören dachte. „In Straubing wurde ich bei einem Spiel als Schiedsrichter vom Torwart der Gastmannschaft von hinten brutal niedergeschlagen“, erinnert sich Josef Knoll. Die Folge davon: „Das Spiel wurde abgebrochen und ich musste im Krankenhaus behandelt werden. Für den Torwart war das sein letztes Spiel. Er wurde später vom Sportgericht für die brutale Attacke lebenslang für den Fußballsport gesperrt“, sagt Josef Knoll. Aufgeben kam für Josef Knoll selbst nach solchen Erlebnissen nicht infrage. Im Jahr 2010 führte ihn die Liebe in die Oberlausitz, nach Mittelherwigsdorf. Weil seine Partnerin in Hainewalde arbeitete, schloss sich Josef Knoll der TSG Hainewalde an. Dort leitet er nun weiterhin Fußballspiele in der Kreisklasse des Fußballverbandes Oberlausitz.

Ans Aufhören denkt Josef Knoll auch nach seinem 70. Geburtstag jedenfalls noch lange nicht: „Warum auch? Ich fühle mich noch wie 50 und bin auch noch fit genug, um mich auf dem Fußballplatz zu bewegen. Und das werde ich solange machen, wie es meine Gesundheit zulässt und mir meine Simone den Rücken freihält“, sagt er in überzeugtem Ton.

Quelle: SZ-online.de vom 8.6.2018

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