Dietrich von Kyaw. Foto: SZ-Archiv

Dietrich von Kyaw. Foto: SZ-Archiv

Adelsspross bleibt skeptisch

Von Jan Lange

Von der Suche nach dem Bernsteinzimmer im Hainewalder Schloss ist Dietrich von Kyaw, ein Nachfahre der früheren Besitzer, nicht begeistert.

Dietrich von Kyaw kann nur mit dem Kopf schütteln. „Eigentlich waren die Dreharbeiten als Begleitmaßnahme gedacht. Aber nicht, dass dadurch alles zum Stillstand kommt“, sagt der Nachfahre der ehemaligen Hainewalder Schlossbesitzer mit Blick auf die derzeitigen Spekulationen um das legendäre Bernsteinzimmer, das ein belgisches Filmteam in dem uralten Gemäuern vermutet.

Der 73-Jährige, der von 1993 bis 1999 deutscher Botschafter bei der EU in Brüssel war, hält nach eigener Aussage wenig von dem Gedanken. „Es ist zwar alles möglich“, schränkt von Kyaw ein. „Aber warum sollte es ausgerechnet in Hainewalde sein“, stellt sich für ihn die Frage.

Die Aktivitäten der Filmcrew können in seinen Augen natürlich auch positive Effekte haben, weil so das Interesse der Medien am Kanitz-Kyaw’schen Schloss zunimmt. Und ein großes Presseecho unterstütze letztlich die Bemühungen, das stark verfallene Gebäude zu erhalten. „Es gibt keine Fördermittel für einen Dornröschenschlaf“, steht für den ehemaligen EU-Botschafter fest.

Gleichzeitig warnt der 73-Jährige, dessen Großvater Moritz Joachim Ernst von Kyaw 1927 das Schloss an die Gemeinde Großschönau verkauft hatte und nach Hinterpommern gezogen war, aber vor der Gefahr, dass der Schlossförderverein dadurch einen Rückschlag erleidet. Er selbst ist seit einigen Jahren Mitglied. „Dass jemand das Wahrzeichen erhalten will, finde ich prima. Diese Bemühungen möchte ich unterstützen.“ Deshalb spendet er zusätzlich über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für das Hainewalder Schloss. Bei der Bundesstiftung läuft derzeit eine Spendenaktion zur Sanierung des einsturzgefährdeten Ostflügels. Für diese Maßnahme läuft nach Dietrich von Kyaws Einschätzung die Zeit weg. Er sei zwar kein Architekt, aber er kenne ein Gutachten, das besagt, dass das Gebäude keinen Winter mehr überlebt.

Regelmäßig besucht der Berliner die Heimat seiner Vorfahren – zuletzt beim Sommerfest des Fördervereins. Hier erfuhr er auch von den geplanten Dreharbeiten. Keine schlechte Idee. Fragwürdig ist für ihn dagegen das, was sich jetzt im Schloss abspielt. Die Filmfirma hatte Bohrungen in dem Gebäude veranlasst (SZ berichtete). Laut Aussage von Produzent Lars Pechtel ging es dabei um die Suche nach einem Hohlraum. Allerdings verkündet sein Partner Anton Lennartz im Internet, dass sein aktuelles Projekt die Jagd nach dem Bernsteinzimmer ist.

Aus der Berliner Perspektive betrachtet, komme ihm dies komisch vor, erklärt Dietrich von Kyaw. „Ich bin ein skeptischer Mensch.“ Es sei kein Geheimnis, dass unter dem Schloss Kellerräume existieren. Im Juli 1990 habe er sie selbst gesehen. „An der Wand standen noch Nazi-Sprüche“, erzählt der 73-Jährige. Bestätigt werden seine Aussagen von älteren Hainewaldern. Inzwischen sind die Kellerräume allerdings verschüttet.

Quelle: sz-online.de 11.08.2007