Frank Peuker: “Eine Fusion ist für uns noch kein Thema.“

Frank Peuker

Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker

Herr Peuker, was sagen Sie zu den Plänen der Landesregierung, nach denen es in Sachsen in ein paar Jahren nur noch Gemeinden über 5000 Einwohner geben soll?

Ich finde es interessant, nach welchen Gesichtspunkten das Land Sachsen handelt. Wenn man bei den Kommunen solche Kriterien anlegt, sollte man auch überlegen, ob solch kleine Länder wie Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen, eingebettet in der Bundesrepublik und einem vereinten Europa, zukunftsfähig aufgestellt sind. Die 5000er-Einwohnermarke empfinde ich als eine willkürliche und nicht untersetzte Größenordnung.

Wie groß muss eine Gemeinde Ihrer Meinung nach sein?

Das kann man nicht pauschal beantworten. Das hängt unter anderem auch davon ab, welche Aufgaben eine Gemeinde erfüllen soll. Die Gemeinde ist die Grundlage unseres Staatsaufbaus. Hier ist Demokratie direkt erlebbar. Daher muss die Bürgernähe und die Identifikation der Bürger mit ihrer Gemeinde gewahrt bleiben.

Großschönau hat mit seinem Ortsteil Waltersdorf zusammen rund 6 000 Einwohner. Noch ist eine Fusion mit einem anderem Ort nicht nötig. Aber wie sehen Sie die Entwicklung angesichts des demographischen Wandels?

Die Entwicklung ist in Ostdeutschland, bis auf wenige Ausnahmen, in der Tat sehr dramatisch. Es hat aber in der Geschichte nie eine lineare Entwicklung gegeben. Die Situation kann sich wieder ändern, durch Zuzug oder Rückkehrer. Wie es in zehn oder in 20 Jahren mit der Bevölkerungsentwicklung aussieht, kann niemand genau vorhersagen.

Was macht die Gemeinde, um vor allem für junge Familien attraktiv zu sein? Gibt es beispielsweise Prämien bei der Geburt eines Kindes? Oder ein Überraschungsgeschenk bei Zuzug in die Gemeinde?

Es wäre naiv zu glauben, dass eine Lebensplanung, ob Nachwuchs oder eine Umzugsentscheidung, von einem „symbolischen“ Präsent abhängig gemacht wird. Ob junge Menschen hierbleiben, zu uns kommen oder eine Familie gründen, hängt doch vor allem davon ab, dass sie Arbeit, eine gesicherte Perspektive haben und sich in ihrer Umgebung wohlfühlen. Als Gemeinde legen wir viel Wert auf familienfreundliches und lebenswertes Umfeld. Daher haben wir in den vergangenen Jahren stetig in unsere Schulen und Kindertagesstätten investiert. Auch haben wir es geschafft, dass die Grundschule Waltersdorf wiedereröffnet wurde. Denn wir möchten, dass die Schule im Dorf bleibt. Auch die Förderung der Vereine ist ein wichtiges Thema. Das ehrenamtliche Engagement in Vereinen und Initiativen machen einen Großteil des Lebens in der Gemeinde aus. Unabhängig davon heißen wir die Großschönauer Babys mit einem kleinen Geschenk willkommen.

Zusammen mit Waltersdorf lebten hier 1990 noch 8 066 und vor zehn Jahren 7 298 Bürger. Geht dieser Trend weiter, könnte in zehn Jahren die 5 000er Marke unterschritten sein?

Da ist viel Raum für Spekulation. Wir nehmen diese Herausforderung an. In jeder Entwicklung sind nicht nur Risiken zu sehen, sondern eröffnen sich auch neue Chancen und diese versuchen wir für eine lebenswerte Perspektive in Großschönau zu nutzen.

Haben Sie sich oder der Gemeinderat schon mal Gedanken über einen möglichen Fusionspartner gemacht? Hainewalde liegt ja wegen der Verwaltungsgemeinschaft nahe?

Nein, zunächst machen wir uns über die Entwicklung von Großschönau mit dem Erholungsort Waltersdorf Gedanken. Da haben wir uns noch viel vorgenommen. Die gemeindliche Eigenständigkeit achten wir. Darüber hinaus versuchen wir die interkommunale Zusammenarbeit auszubauen. Gerade im Projekt Naturpark „Zittauer Gebirge“ sehen wir eine große Chance für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Im Übrigen entspricht die Verwaltungsgemeinschaft mit Hainewalde dem Leitbild der Sächsischen Staatsregierung.

Das Gespräch führte Holger Gutte.

Quelle: SZ-online.de

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