Warum die Gemeinden attraktiv bleiben

Von Holger Gutte

Warum die Gemeinden attraktiv bleiben

Negativ: Weil zu wenig Kinder in der Gemeinde wohnen, musste im Jahr 2001 die alte Grundschule in Hainewalde geschlossen werden.

Schon jetzt müssen die Kommunen in ihren Plänen den demographischen Wandel berücksichtigen. Er spielt künftig noch mehr als bisher eine Rolle. Durch Wegzüge von jungen Leuten und zu wenig Geburten ist mit einem älter werdenden Bevölkerungsdurchschnitt zu rechnen.

Die SZ sah sich mal die Folgen am Beispiel der 1748 Einwohner zählenden Gemeinde Hainewalde an. In den letzten vier Jahren sind hier im Durchschnitt jeweils elf Kinder geboren worden. Aber mit ihnen lässt sich der Negativtrend der Einwohnerentwicklung durch Sterbefälle, Weg- und Zuzüge nicht aufhalten. So verlor Hainewalde allein von 2009 auf 2010 insgesamt 27 Einwohner.

Wie wirkt sich der Einwohnerverlust aus?

Entsprechend der niedrigeren Einwohnerzahl gibt es weniger Schlüsselzuweisungen für die Gemeinde. Setzt sich der derzeitige Trend fort, könnte Hainewalde im Jahr 2014 etwa zehn Prozent weniger Einnahmen gegenüber heute haben.

‘Warum gleicht sich das nicht mit weniger Einwohnern aus?

Für weniger Einwohner braucht eine Stadt oder Gemeinde nicht weniger Geld. Die Straßen müssen wie die gesamte Infrastruktur trotzdem so wie bisher vorgehalten werden. Auch wenn hier dann nicht mehr so viele Leute wohnen.

Gibt es noch Möglichkeiten für Mehreinnahmen?

Eigentlich nicht. Es sei denn, es werden Steuern oder Mieten für kommunale Wohnungen, Vereinsräume, Turnhallen und dergleichen erhöht. Das ist für die Bürger eigentlich nicht mehr zumutbar.

Wie viel kann sich die Gemeinde dann noch leisten?

Aufgrund der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren in Hainewalde die Infrastruktur im wesentlichen völlig erneuert worden ist, sind zumindest hierfür in den nächsten 30 Jahren kaum Investitionen notwendig. Ein Abwasserkanalnetz soll etwa 80 Jahre halten. Der grundhafte Ausbau einer Straße oder Brückenbauten rund 30 Jahre. Wichtig und ohne Diskussion ist für Hainewalde der Erhalt der Kindertagesstätte. Wie Bürgermeister Jürgen Walther schildert, sollen die Vereine weiter unterstützt werden. Nach der Hochwasserkatastrophe wird beispielsweise der Hartplatz für die Fußballer neu errichtet. Die Turn- und Festhalle soll weiter für Vereine und die Einwohner zur Verfügung stehen. Nicht verzichten will Hainewalde auch in Zukunft auf öffentliche Einrichtungen und kommunale Wohnungen.

Aber auch privat müssen die Bürger mehr Lasten schultern, weil sich Gebühren und Beiträge auf weniger Einwohner verteilen. Schwer ist es auch für Vereine, die mit immer weniger Mitgliedern haben. So hatte die Feuerwehr 2003 noch 27 aktive Mitglieder. Jetzt sind es noch 20 mit Tendenz fallend. Um den Spielbetrieb im Nachwuchsbereich aufrechterhalten zu können, haben die Fußballer jetzt schon Spielgemeinschaften mit anderen Orten gegründet.

Wer entscheidet, was nicht mehr bezahlbar ist?

Der Gemeinderat. Die Gemeindeverwaltung muss, falls nötig, Sparvorschläge in dessen Auftrag erarbeiten.

Gibt es eine Möglichkeit, dem Trend gegenzusteuern?

Nur Arbeitsplätze und angemessener Lohn könnten helfen, damit die Jugend hierbleibt beziehungsweise wieder zurückzieht.

Wie attraktiv ist ein Ort dann noch für Zuzüge?

Hainewalde ist ein wunderschöner Wohnort. Aber viele ältere Leute, die es sich leisten können, tendieren dazu, in Stadtnähe zu ziehen. Dorthin, wo Ärzte, Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten und Nahverkehr ihren Ansprüchen genügen.

Quelle: SZ-Online vom 01.09.2011

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